Paolo
Montis
Kunst auf der
Galerie auf der Empore
Herzliche
Einladung zur Vernissage Paolo Monti ▪ Vierdimensional² am 18. Januar 2001
"Künstlerische Praxis ist
organisierte Anomalie. Sie ist sprachlich
diszipliniert. Jenseits davon gibt es nur
Geschwätz über "Kreativität". Die Arbeit
von Paolo Monti umkreist beständig ... diese
Evidenz und dieses Bewusstsein mittels eines
instrumentellen Filters, der von der
prosaischsten Handfertigkeit zur
hochgezüchtesten
wissenschaftlich-technologischen Apparatur
reicht. [...] Auf der einen Seite die
Arbeit über DAS GELD, den Fetischismus des
Wertes - auf der anderen schwindligste Höhen der
vollständigen Abstraktion, der fleischlosesten
Virtualität und doch größtmöglichen Operativität."
-
Massimo Carboni
- Akademie der schönen Künste,
Florenz
Die psycho-physiologische Dimension unseres
Blickes wechselt fortwährend. Die Kunst nimmt
davon Kenntnis und macht uns dies bewusst. Der
Künstler Paolo Monti flüchtet sich nicht aus
dieser Realität. Auf der Suche nach einer
Erweiterung des Sehens und Hörens lotet er seine
eigene Sensibilität und Wahrnehmung aus.
Von Anfang an war es das Ziel Montis, die
Grenzen der Wahrnehmung zwischen dem Sichtbaren
und Unsichtbaren zu verschieben, indem er die
Sicht in andere Dimensionen verschärft, um sich
nicht nur als Mensch zu entdecken, sondern auch
als "anderes" wahrzunehmen. Im Grunde verfährt
auch die Wissenschaft so, indem sie die Grenzen
der menschlichen Dimension überschreitet, alles
analysierend, alles beobachtend und durch
Aneignung des Beobachteten.
Paolo Monti greift in seinen Arbeiten
Erkenntnisse auf, die sich in den neueren
naturwissenschaftlichen Theorien
niedergeschlagen haben. Dabei geht er über eine
bloße Wiedergabe hinaus, und befördert eine
dynamischen Interaktion zwischen Beobachter und
Beobachtetem. Monti verbindet in origineller
Weise psychologische und wahrnehmungsbezogene
Mechanismen, die von Kunstwerken ins Spiel
gebracht werden, mit beobachteten Zusammenhängen
zwischen Ästhetik, Naturwissenschaft und
Technologie.
Im Rahmen seines Schaffens nehmen diese Themen
zeitweilig die Form von umweltbezogenen
Installationen an, in denen der Beobachter in
einem experimentellen Sinne beständig
aufgefordert wird, die Grenzen seiner
Wahrnehmung neu zu definieren. Monti lässt sich und uns vollständig eindringen
in das Beobachtete nicht nur durch Einsatz von
Technologie, sondern vor allem auch auf dem Weg
über eine besondere mentale Haltung. Als Folge
davon sehen wir das "Flottage", bei dem in
schillernden Farben, über Licht- und
Energiestrahlen, die Vibrationen akustischer,
thermischer und elektromagnetischer Wellen, sich
erheben und offenbaren, zunächst also erscheinen,
um danach, in Reaktion auf Wärme oder Licht,
erneut zu verschwinden. Oder wir beobachten den Verschleiß von
Geldkapital, wie im "Dollar Image", wo zu
einem Zeitpunkt x, eine Banknote, die einem
licht- und wärmeabhängigen Angriff einer
chemischen Substanz ausgesetzt ist, sich ohne
Hinterlassung einer Spur auflöst. Hier nehmen
wir den Zerfall der Materie physiologisch wahr.
"Zeit ist Geld" heißt es oft. Bei Monti gilt
hier die Umkehrung: "Geld ist Zeit". Bis zur
totalen Entropie, bis zum endgültigen
Ver-schleiß, bis zum Nichts.
Aus diesen Gründen lässt sich Paolo Montis Kunst
nicht einfach als "technologisch" definieren,
zumindest nicht in der üblichen Bedeutung des
Wortes. Monti könnte auch zu anderen
Wiedergabemöglichkeiten übergehen, wenn er
woanders die Chance einer Identifikation und zur
Einfühlung mit der Welt vorfände.
Der Gebrauch der technologischen Mittel wird
daher zum Vorwand der Erforschung einer
Begrifflichkeit, die philosophische Probleme
berührt, die die Identität der Gegenstände, aber
auch die Interpretation der Welt und der
Realität betreffen. Diese Welt ist auf subtile
Weise eine zusammenhängende Welt, so dass wir in
ihr und durch sie auf innige Weise, einer mit
dem anderen, so wie mit dem Universum, verbunden
sind.
Die realen Bedingungen von Beobachtungen, die
Interferenzen, die Kontraste zwischen Regeln und
Ereignissen, bilden daher das Untersuchungsfeld
Montis, dessen Ziel es weniger ist, die
inzwischen offensichtlichen Verbindungen
zwischen Kunst und Wissenschaft erneut
aufzudecken, als vielmehr eine "vierte
Dimension" hervorzuheben und zu offenbaren, in
welcher Wahrnehmung und Vorstellung,
Rationalität und Emotionalität koexistieren zu
scheinen.

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