PAOLO MONTI VIERDIMENSIONAL² UNIVERSITÄT KONSTANZ GALERIE AUF DER EMPORE 2001


Zur Vernissage der gemeinsamen
KunstAusstellung von Universität und Sparkasse Konstanz
Paolo Monti Vierdimensional²
am Donnerstag, den 18 Januar 2001 um 19.00 Uhr
laden wir Sie herzlich ein

Prof. Dr. Gerhart von Graevenitz, Rektor
Hermann Kley, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Konstanz

Zur Begrüßung sprechen
Prof. Dr. Mark Scholl, Prorektor
Prof. Dr. Nikolaus K.A. Läufer

Eine Einführung in die Ausstellung gibt
Herr Dr. Friedemann Malsch, Direktor des Kunstmuseums Liechtenstein

Ausstellung: Galerie auf der Empore: 18.1.-9.2.2001
Öffnungszeiten: Mo-Di, Do-Fr: 12.00-16.00 Uhr
Mi: 16.00 - 20.00


Paolo Montis Kunst auf der Galerie auf der Empore
Herzliche Einladung zur Vernissage Paolo Monti ▪ Vierdimensional² am 18. Januar 2001

"Künstlerische Praxis ist organisierte Anomalie. Sie ist sprachlich diszipliniert. Jenseits davon gibt es nur Geschwätz über "Kreativität".  Die Arbeit von Paolo Monti umkreist beständig ... diese Evidenz und dieses Bewusstsein mittels eines instrumentellen Filters, der von der prosaischsten Handfertigkeit zur hochgezüchtesten wissenschaftlich-technologischen Apparatur reicht.  [...]  Auf der einen Seite die Arbeit über DAS GELD, den Fetischismus des Wertes - auf der anderen schwindligste Höhen der vollständigen Abstraktion, der fleischlosesten Virtualität und doch größtmöglichen Operativität."
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Massimo Carboni - Akademie der schönen Künste, Florenz

Die psycho-physiologische Dimension unseres Blickes wechselt fortwährend. Die Kunst nimmt davon Kenntnis und macht uns dies bewusst. Der Künstler Paolo Monti flüchtet sich nicht aus dieser Realität. Auf der Suche nach einer Erweiterung des Sehens und Hörens lotet er seine eigene Sensibilität und Wahrnehmung aus.

Von Anfang an war es das Ziel Montis, die Grenzen der Wahrnehmung zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren zu verschieben, indem er die Sicht in andere Dimensionen verschärft, um sich nicht nur als Mensch zu entdecken, sondern auch als "anderes" wahrzunehmen. Im Grunde verfährt auch die Wissenschaft so, indem sie die Grenzen der menschlichen Dimension überschreitet, alles analysierend, alles beobachtend und durch Aneignung des Beobachteten.

Paolo Monti greift in seinen Arbeiten Erkenntnisse auf, die sich in den neueren naturwissenschaftlichen Theorien niedergeschlagen haben. Dabei geht er über eine bloße Wiedergabe hinaus, und befördert eine dynamischen Interaktion zwischen Beobachter und Beobachtetem. Monti verbindet in origineller Weise psychologische und wahrnehmungsbezogene Mechanismen, die von Kunstwerken ins Spiel gebracht werden, mit beobachteten Zusammenhängen zwischen Ästhetik, Naturwissenschaft und Technologie.

Im Rahmen seines Schaffens nehmen diese Themen zeitweilig die Form von umweltbezogenen Installationen an, in denen der Beobachter in einem experimentellen Sinne beständig aufgefordert wird, die Grenzen seiner Wahrnehmung neu zu definieren.

Monti lässt sich und uns vollständig eindringen in das Beobachtete nicht nur durch Einsatz von Technologie, sondern vor allem auch auf dem Weg über eine besondere mentale Haltung. Als Folge davon sehen wir das "Flottage", bei dem in schillernden Farben, über Licht- und Energiestrahlen, die Vibrationen akustischer, thermischer und elektromagnetischer Wellen, sich erheben und offenbaren, zunächst also erscheinen, um danach, in Reaktion auf Wärme oder Licht, erneut zu verschwinden.

Oder wir beobachten den Verschleiß von Geldkapital, wie im "Dollar Image", wo zu einem Zeitpunkt x, eine Banknote, die einem licht- und wärmeabhängigen Angriff einer chemischen Substanz ausgesetzt ist, sich ohne Hinterlassung einer Spur auflöst. Hier nehmen wir den Zerfall der Materie physiologisch wahr. "Zeit ist Geld" heißt es oft. Bei Monti gilt hier die Umkehrung: "Geld ist Zeit". Bis zur totalen Entropie, bis zum endgültigen Ver-schleiß, bis zum Nichts.

Aus diesen Gründen lässt sich Paolo Montis Kunst nicht einfach als "technologisch" definieren, zumindest nicht in der üblichen Bedeutung des Wortes. Monti könnte auch zu anderen Wiedergabemöglichkeiten übergehen, wenn er woanders die Chance einer Identifikation und zur Einfühlung mit der Welt vorfände.

Der Gebrauch der technologischen Mittel wird daher zum Vorwand der Erforschung einer Begrifflichkeit, die philosophische Probleme berührt, die die Identität der Gegenstände, aber auch die Interpretation der Welt und der Realität betreffen. Diese Welt ist auf subtile Weise eine zusammenhängende Welt, so dass wir in ihr und durch sie auf innige Weise, einer mit dem anderen, so wie mit dem Universum, verbunden sind.

Die realen Bedingungen von Beobachtungen, die Interferenzen, die Kontraste zwischen Regeln und Ereignissen, bilden daher das Untersuchungsfeld Montis, dessen Ziel es weniger ist, die inzwischen offensichtlichen Verbindungen zwischen Kunst und Wissenschaft erneut aufzudecken, als vielmehr eine "vierte Dimension" hervorzuheben und zu offenbaren, in welcher Wahrnehmung und Vorstellung, Rationalität und Emotionalität koexistieren zu scheinen.